expopharm Medienpreis 2017 verliehen

expopharm Medienpreis 2017 verliehen

Eschborn/Düsseldorf (14. September 2017) – In insgesamt 4 Kategorien wurde am 13. September in Düsseldorf der expopharm Medienpreis verliehen. Mit dem Wettbewerb, der unter dem Motto „Die Apotheke in der Gesellschaft“ ausgeschrieben wurde, will die expopharm, Europas größte und wichtigste pharmazeutische Fachmesse, die umfassende, seriöse, dabei aber auch durchaus kritische Berichterstattung über Apotheken fördern. Zum vierten Mal seiner dreizehnjährigen Geschichte wurde 2017 zudem ein Sonderpreis vergeben.

Expopharm Medienpreis 2017 Düsseldorf Preisträger und Juroren (v.l.n.r.) Fritz Becker, DAV; Dr. Andreas Kiefer, DAK; Elmar Esser, Moderator; Ansgar Deelmann, Wort&Bild Verlag; Ulrike Michels, Preisträgerin P+F; Metin Ergül, Avoxa; Dr. Hellmuth Nordwig, Preisträger A+P; Peter Schlögell, ApoBank; Verena Ziegler, Preisträgerin A+V; Friedemann Schmidt, ABDA; Andreas Arntzen, Wort&Bild Verlag; Michael Weiland, Apotheker (für Preisträger A+Ö Dr. Michael Kläsgen); Christoph Klawunn, DKV

In der Kategorie Apotheke und Politik wurde Dr. Hellmuth Nordwig ausgezeichnet. Seine Sendung „Medikamente nicht lieferbar“, wurde am 14. Dezember 2016 im Rahmen der Sendereihe „Wissen“ im Hörfunkprogramm SWR 2 des Südwestrundfunks ausgestrahlt. Darin befasst sich der Autor mit dem Problem der Lieferengpässe bei Arzneimitteln, die zu den wohl am kontroversesten diskutierten arzneimittelpolitischen Themen der letzten beiden Jahre gehören. Nordwig sucht nach den Ursachen und lässt dafür viele Beteiligte zu Wort kommen. Er befragt Ärzte im Krankenhaus und in der Praxis, Klinikapotheker und niedergelassene Kollegen, die Industrie, die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und natürlich auch die Patienten. Dabei wird klar, dass das Problem der Lieferengpässe in seinen Folgen so dramatisch ist, dass es gelöst werden muss. Dr. Hellmuth Nordwigs Beitrag ist eine Mischung aus wissenschaftlich akribischer Recherche, dem Verzicht auf Indoktrination und einer ebenso spannenden wie laienverständlichen Darstellung. Damit ermöglicht er seinen Zuhörern, sich nach der Sendung eine eigene, souveräne und durch Fakten gestützte Meinung zu bilden.

Dr. Michael Kläsgen ist der Gewinner des expopharm Medienpreises 2017 in der Kategorie „Apotheke und Ökonomie“. Mit dem Titel „Die Angst vor dem Überlebenskampf“ überschrieb er einen Artikel, der am 30. Januar 2017 in der Süddeutschen Zeitung erschien. Am Beispiel eines Landapothekers zeigt er auf, wie sich die Stimmung der niedergelassenen Pharmazeuten insbesondere nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln weiter verschlechtert hat. Er nutzt dafür aber nicht die Stellungnahmen von Parteien, Verbänden und Funktionären, sondern beschreibt die Situation einer Apotheke, die seit Generationen in Familienbesitz ist. Sein Protagonist ist Pharmazeut aus Leidenschaft, fühlt sich aber jetzt in seiner Existenz bedroht. Und dies besonders nicht durch die Politik der demokratisch gewählten deutschen Regierung, sondern durch eine vom ihm nicht nachvollziehbare Entscheidung der Luxemburger Richter, die die ökonomischen Interessen von kapitalgesteuerten ausländischen Unternehmen höher bewerteten als die Arzneimittelversorgung durch inhabergeführte Apotheken in Deutschland. Mit seinem Beitrag informiert Dr. Michael Kläsgen seine Leser über Konsequenzen, die jeden auch persönlich treffen könnten.

Für ihren Beitrag „Risiko Nebenwirkung – Medikamente sicher nehmen“, erhielt Verena Ziegler den diesjährigen expopharm Medienpreis in der Kategorie Apotheke und Verbraucher. Die Sendung wurde als Produktion der Bilderfest GmbH im Auftrag des WDR am 20. April 2017 im Wissensmagazin Xenius auf arte ausgestrahlt. Die Autorin greift darin ein weitgehend unterschätztes Problem auf. Denn jährlich sterben laut Experten sowohl in Deutschland als auch in Frankreich bis zu zehnmal mehr Menschen an den Folgen unerwünschter Neben- oder Wechselwirkungen von Medikamenten als im Straßenverkehr. Verena Ziegler informiert gemeinsam mit Experten darüber, was man dagegen tun kann, dass Medikamente, die eigentlich helfen sollen, Patienten in Gefahr bringen. Zusammen mit einer Apothekerin erklärt sie wie der Beipackzettel richtig zu verstehen ist, worauf man bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Medikamenten unbedingt achten sollte und wie sich Neben- und Wechselwirkungen verringern oder vermeiden lassen. Der laienverständliche Beitrag holt die Zuschauer ab und gibt ihnen ebenso spannende wie verbraucherrelevante Informationen, die eine Arzneimitteltherapie sicherer machen können.

Ulrike Michels erhielt den expopharm Medienpreis in der Kategorie Pharmazie und Forschung. „Was ist los mit unseren Kindern“ hieß ihre ausgezeichnete Fernsehdokumentation, die am 10. Oktober 2016 erstmals in der ARD ausgestrahlt wurde. Im Kern, so der Untertitel, ging es in der Sendung um „ADHS und andere Diagnosen“. Die Autorin zeichnet darin auf, wie betroffene Kinder mit ihrer Krankheit und ihrer Medikation leben. Und das Problem ist nach wie vor groß. Denn nach Aussagen des Robert-Koch-Institutes konnte bei jedem fünften Kind zwischen 3 und 17 Jahren der Hinweis auf eine psychische Störung festgestellt werden. Krankenkassendaten belegen, dass die am häufigsten diagnostizierte Störung ADHS ist. Ulrike Michels ging aber auch der Frage nach, wie hoch die Zahl der Fehldiagnosen ist. Sie fragte bei Kindern und Experten nach, ob es sich wirklich immer um ADHS handelt oder ob die Störung vielmehr eine Reaktion der Kinder auf ihre Umwelt und die Anforderungen in der Schule darstellt. Mit ihrer Darstellung von Menschen in außergewöhnlichen, oft berührenden Lebenssituationen zog sie ihre Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann.

Mit dem Sonderpreis des expopharm Medienpreises 2017 wurde schließlich der Wort & Bild Verlag für seine integrierte Kampagne „Danke Apotheke“ ausgezeichnet. Anlass für dieses Engagement war  das EuGH-Urteil und die darauf folgende politische Diskussion, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln wieder zu verbieten, um die Arzneimittelversorgung in Deutschland durch wohnort- und patientennahe Apotheken zu sichern. Der 60 sekündige Fernsehspot zeigt vermeintlich Selbstverständliches und Alltägliches und betont damit deren Wert und deren Besonderheit. Er führt vor Augen, wie sehr die Apotheke Teil unserer Lebenswelt und wie oft sie Helfer in kleinen oder großen Nöten ist. In einer besonders schwierigen Situation hat der Film den Apothekern geholfen, ihre Argumente von der menschlichen Dimension ihrer Arbeit abseits von ordnungs- und strukturpolitischen Fragen bildhaft und damit verständlich zu machen. Dabei zeigt er diese menschliche Dimension sympathisch, schlicht und ohne überhöhendes Pathos.

Die Verleihung des expopharm Medienpreises fand im Düsseldorfer Apollo-Theater statt. Der Wettbewerb wurde von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, der DKV und der Messe Düsseldorf unterstützt.

Die Pressemitteilung können Sie auch hier downloaden.

14.09.2017|